Die Zeit vergeht auch im Kühlschrank
Woran merken wir, dass Zeit vergangen ist? Mal, weil sich etwas verändert, mal, weil etwas zurückkehrt. Unsere Autor*person wird von einer Kindheitserinnerung eingeholt und merkt, dass die Zeit gar nicht immer und überall gleich schnell läuft.
«Der Normalbetrieb mit vollen Trams war eine Art Schock»
Dzeneta Dilji (28) gleitet durch Zürich und geniesst dabei das Alleinsein.
Mach dich bereit: UEFA Women’s EURO 2025
Die Fussball-Europameisterschaft der Frauen ist ein Fest für alle. Pünktlich zum Auftakt geben wir dir ein wenig Orientierung im Fussball-Trubel, damit du deinen eigenen Weg zum «Summit of Emotions» findest.
Big John. Dokufiction (Leseprobe)
Dokufiction, 2025 / Masterarbeit, Zürcher Hochschule der Künste
Glühwürmchen
MARISA
Erinnerst du dich. Damals, in den Ferien. Wir gingen entlang der Klippe, wo sich der kantabrische Fels im Salzwasser auflöste. Ein Spickel Sonne glomm auf dem Wasser. Warme Luft hing in den Stranddisteln und im Meerfenchel, der in den Dünen wuchs. Die Möwen zogen weite Kreise. Ich staunte, wie blau die Strandpflanzen im Kontrast zum Sand aussahen. Blau ist eine seltene Farbe in der Natur. Wir rochen nach Sonnencreme und dem Schweiss, in dem sie sich auflöste. Du gingst einige Schritte voran.
Du sprachst über das Essen, das Geschäft, die Kinder, das Geschäft, nichts. Der Weg, auf dem wir gingen, war aus Beton, gesäumt mit hellen Pflastersteinen. Links und rechts Sand, einige Büschel Blau. Der letzte Sonnenstrahl verschwand, und unsere Augen gewöhnten sich an die Dämmerung. Die Möwen am Himmel wurden Schatten. Da sah ich sie: Zwei Glühwürmchen, eines auf der linken und eines auf der rechten Seite. Starr kniff ich die Augen zusammen, in der Angst, ich könnte mir sie nur vorgestellt haben. Ich atmete flach. Die Welt wurde winzig und still. Ihre kleinen Körper leuchteten. Anderthalb Meter waren sie voneinander entfernt, dazwischen unser gepflasterter Gehweg. Ich weiss nicht, ob sie voneinander wussten, die Glühwürmchen. Wahrscheinlich waren sie beide in ihrer eigenen Welt. Auf der Suche. Aber von hier oben gesehen waren sie ein Paar.
DIE WELT im Berg
Anfang der Siebziger, als die Telefone noch an Kabeln hingen und die Fernseher grosse Kisten waren, saurer Regen auf Wälder und Babys fiel, die Hippies die Anti-Atomkraft-Bewegung erfanden, die OPEC-Staaten den Preis für einen Liter Rohöl in einem Jahr um das Vierfache erhöhten und die Schweiz als Reaktion drei autofreie Sonntage einführte, Anfang dieser Siebziger Jahre steuerte ein Mann einen Tunnelbohrer durch den Kalkstein von Seelisberg, einem Berg auf der Urner Seite des Vierwaldstättersees. Der Mann hiess Hermann Ernst. Und Anfang der Siebziger war der Bohrer, den Hermann durch den Seelisberg steuerte, der grösste Bohrer der Welt. Er bohrte ein Loch von zwölf Metern Durchmesser. Sein Name war «Big John». Und Big John blieb, wie man erzählt, oft im Stein stecken und war oft defekt. Frustriert über Big Johns Mängel und darüber, nicht Chef zu sein, suchte der Ingenieur Hermann Ernst nach einem besseren Lebensentwurf, als weiter einen lahmenden amerikanischen Bohrer durch den Berg zu knechten. Der Ingenieur Hermann Ernst wusste es besser. Und so gründete er seine eigene Unternehmung, mit seinem Besserwissen und fünfundzwanzigtausend Mark seiner Mutter: Die «Ernst AG». Das war 1977.
In drei Jahrzehnten machte der Ingenieur und Chef Hermann Ernst die Ernst AG milliardenschwer und sich selber zum Besten der Tunnelbohrmaschinenbauer. Die Leute sagten ihm nach, dass er in Verhandlungen seinen Maschinen glich: Mit dem Kopf durch die Wand, so bewegte sich der Ingenieur Hermann Ernst durch die Welt. Als die Ernst AG einen Anteil von fünfundfünfzig Prozent am globalen Markt für Tunnelbohrmaschinen erreichte, krönte die wichtigste Fachzeitschrift das Unternehmen zur «Champions League des Tunnelbaus». Das gefiel Hermann. Seine Bohrmaschinen bohrten die präzisesten Tunnel der Welt. Hermann bohrte Tunnel von vorne und hinten in die Bäuche von Bergen, und die Bohrköpfe trafen sich in der Mitte, genauer als zwei ausgestreckte Zeigefinger, die man vor dem eigenen Gesicht zusammentippt.
Dann kam das grösste Projekt. Die «Neue Alpentransversale». Die Achse durch das Herz Europas. Das, was später «Gotthard-Basistunnel» heissen würde, ein Eisenbahntunnel der Superlative. Die Champions League des Tunnelbaus frass sich durch den Fels zwischen Erstfeld und Bodio; schabte, bohrte, sprengte, grub fünfundsiebzig Kilometer lang, pampte Spritzbeton an die frischen Tunnelinnenwände, bis sich an einem Freitag im 2010 tief im Berg die Bohrköpfe gegenüberstanden, getrennt nur durch eine dünne Haut Stein. Um 14:17 Uhr riss der Spritzbeton auf der Nordseite. Ein Meer aus orange behelmten Tunnelarbeitern strecken ihre Kameras, als der erste Brocken herunterknallte. Rauschend bröckelte die Steinwand herunter. Zwei Feuerwehrleute spritzten den aufstiebenden Staub nass. Dann fiel das grosse «AlpTransit»-Logo, und der nordwärts zeigende Bohrkopf trat auf. Wie ein Steuerrad voller gefletschter Schneidezähne drehte er sich und mahlte, eine Scheibe von zehn Metern Durchmesser.
Im Nordtunnel brach Jubel aus, die Menge klatschte, pfiff, johlte, ein Blasorchester setzte an, als der Polier aus dem Süden die heilige Barbara durch das Loch hielt. Die Statue verlängerte seinen Arm um die Länge eines Unterarms, guckte starr in die Höhe und zitterte mit dem Polier. Wie immer war sie dabei, denn sie begleitet die Mineure, Baumeister, Turmwächter, Feuerwehrleute, Artilleristen, Glockengiesser und Sprengmeister seit Jahrhunderten in die todbringenden Löcher, in denen sie ihre Arbeiten verrichten. Barbara, die Heilige, bewacht die Bergleute. Auch im Weltrekordtunnel. Denn auch am modernsten der modernen Tunnelprojekte starben acht Mineure. An sie dachte der Polier aus dem Süden, als er mit der heiligen Barbara in der einen Hand und einer Flasche Champagner in der anderen dem Meer aus Nordmineuren gegenübertrat. Er zitterte. Das Meer aus orangen Overalls und Krawattenanzügen schäumte auf in Jubelschreien und Pfiffen, währenddem nach und nach mehr Leute aus dem Süden durch das Loch krochen und sich neben den Polier reihten. Sie riefen in die Runde und hoben die Fäuste in die Höhe, schüttelten sie wie Weltmeister. Stumm und mit nassen Augen tat der Polier es ihnen gleich, hob Barbara und den Champagner über seinen Kopf wie einen Pokal.
Sie standen mitten im Gotthardmassiv, in ihrem Rücken dreissig Kilometer Stein, vor ihnen siebenundzwanzig Kilometer Stein, über ihren Köpfen zweieinhalb Kilometer Stein. In einem Riesen. Die Mineure, der Polier aus dem Süden, der Polier aus dem Norden, die Journalist*innen und die Politiker*innen standen in einem Bergkörper aus Gneis, tief in seinen Eingeweiden. Es war warm, feucht und hallte. Das Gotthardmassiv. Der Stein hiess «Mons Tremulus», der bebende Berg. Bis die Kapelle auf seiner Passhöhe vom Mailänder Erzbischof nach dem Heiligen Gotthard von Hildesheim geweiht wurde. Denn überquert wurde er davor schon, von Tieren und Menschen, lange bevor jemand darüber berichtete. Der Gotthard trennt das Wasser in Rhein, Tessin, Rhone und Reuss. Er trennt das Wetter im Süden vom Wetter im Norden. Und die Menschen. Also suchten sie sich Wege über den Pass.
Sie bauten Brücken, sahen sie einstürzen, verfluchten den Teufel, schlossen Pakte mit ihm, pflasterten Strassen und fuhren in Kutschen darüber, transportierten Post und Güter. Der Pass war das Nadelöhr im mitteleuropäischen Handel. Die Menschen, die ihn passierten, trotzten der ungeheuren Natur mit ihrer Betriebsamkeit und ihren Bauten. Über tausende Jahre krochen die Menschen mit ihren Saumtieren eine Seite des Gotthardmassivs hoch, setzten vorsichtig einen Tritt nach den anderen, erreichten die Passhöhe, schauten auf, und stiegen auf der Südseite mühselig herunter. Die Menschen machten lieber Maultiere zu Saumtieren als Pferde, weil sie trittsicherer sind. Sie trugen Salz, Wein und Post über den Berg. Und obwohl die Gotthardüberquerung die kürzeste Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden Europas war, verstrichen noch einmal tausende von Jahren, bevor die Menschen Steinbrücken über Schluchten und Strassen am Berg befestigen konnten, die breit genug waren für Pferdekutschen. Nach und nach bauten sie die Passstrasse aus, die in Serpentinen über den Berg kroch, sich auf der Passhöhe streckte und sich auf der anderen Seite wieder den Berg hinunterwand. Die Technik eröffnete den Menschen die Passüberquerung, machte sie weniger gefährlich, weniger tödlich. Das Militär und die Gastwirtschaft zog ein, in und auf den Berg. Und die Menschen gewöhnten sich daran, über Berge zu gehen. Sie starteten im Tal, fuhren der schlangenförmigen Strasse entlang in die Höhe, rochen die Luft einer fremden Bergwelt, fuhren weiter und wieder runter. Die «Car alpins» der Post passierten den Gotthard, die ersten Autofahrer*innen am Pass zahlten zwanzig Franken Busse, weil sie keine Pferde vorgespannt hatten.
Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fuhren schon achthundert Autos pro Tag über den Pass. Die Distanz zwischen dem Süden Europas und dem Norden schrumpfte. Irgendwann in den Sechzigern knackten die Autos am Gotthard die Millionengrenze. In den Büchern steht: Sie haben den Berg bezwungen. Dabei ist das Massiv noch da. Und in Kubikkilometern von Stein liegt die alte Strasse wie eine verlorene Haarsträhne, und die neueren Tunnel in seinem Bauch sind mikroskopisch. Eine Riesin würde das Tunnelloch wohl nur finden, weil die Autobahn genau darauf zeigt.
(...)
(12.7.24)
die Landschaft ist alles gleichzeitig: Boden, in dem alles wächst und auf dem alles geht und fliesst; Horizont, Unterschlupf, Kulisse, und die harte Oberfläche, auf die ich mein Heft lege und schreibe
Zögern am goldenen Strand
Publiziert in “INTRO” Issue 2 “Narrate”, 2023 super friendly society
Am Nachmittag vor meiner Abreise stand ich in der Bucht «Les Sables d’Or», zwölf Minuten von Biarritz entfernt. Das Ufer ist ein bisschen geschützt durch eine Steinmole, und im näheren Break tummelte sich der lokale Surfclub; alles Zehn- bis Vierzehnjährige in pinken Lycras. Um sie scharte sich ein ungewöhnlich mächtiger Pulk aus Körpern und Brettern, und sie badeten sich aufgeregt in der späten Augustsonne. Dass sich an diesem einen Tag so viele Menschen in diesem Becken wiederfanden, hatte zwei konkrete Gründe: Erstens war es Swell-technisch der letzte gute Tag der Woche, zweitens hatte eine akute Abfallverschmutzung die Behörden veranlasst, alle Strände südlich entlang der Küste zu sperren.
Mir wurde mulmig. Das Wasser war bei weitem nicht so klar wie am Vortag. Es stellte sich unruhig auf, brach mal früher, mal später und abwechslungsweise auf etwa drei Höhen in der Bucht. In ihnen wogte das Lineup wie ein blinkendes Netz verzettelt auf und ab und sah nervös und wuselig aus, aber vor allem eines: Unheimlich männlich.
Eilig stemmten sich mehr und mehr Gründe, nicht ins Wasser zu gehen, gegen meine Lust aufs Surfen: Was, wenn ich jemandem aus Versehen den Vortritt nehme? Was, wenn ich gar keine Welle kriege? Die Wellen sehen schon sehr gross aus; ich konnte überhaupt erst zwei Mal auf diesem Brett aufstehen, was, wenn mir jemand «reindroppt», was, wenn ich verspült werde, Ich Poser, ich kann eh viel zu wenig, all die Leute nerven sich sicher schon, wenn sie mich rauspaddeln sehen; ich kann ja auch noch abwarten, ja, besser warte ich noch ab, Ich bin erstarrt. Noch vor zehn Minuten hatte ich mich so gefreut.
Nun, mit den Füssen im goldenen Sand, rümpfte ich meine Nase und drehte ich mich etwas zerknirscht zu meiner Freundin um. Ziemlich viele Leute hier, fand ich – sie nickte –, und unruhige Wellen, – sie nickte. Siehst du noch eine FLINTA-Person, fragte ich, in der Hoffnung, jemanden übersehen zu haben. Sie schüttelte den Kopf.
Meine Nase rümpfte ich unterdessen vor allem, weil ich gerade feststellte, dass ja eine FLINTA-Person im Wasser wäre, wäre ich nicht so lange am Zögern und schon los. So war ich also da und stand mir im Weg. Und in meinem Nacken, in meiner Brust, in meinem Beinen schäumte ein Gefühl, das vorhin noch nicht da war: Die Unsicherheit. Eingeschüchtert verschränkte ich meine Arme und verfluchte mich, verfluchte dieses Hobby, das mich so befangen machte, verfluchte die Bedingungen, die mich fernhielten.
So oft hatte ich mich schon einschüchtern lassen: Im Lineup zwischen stillen und grimmigen Surfern, die weder nicken noch grüssen; am Rand eines Skateareals; ganz oben an einem Snowpark. So oft hatte ich kehrt gemacht, bevor ich etwas hätte probieren können, oder abgebrochen, weil ich niemandem im Weg sein wollte. Und ich schätze, dass es den meisten so geht: Dieses Gefühl befällt all jene, die sich an einem Spot nicht repräsentiert sehen. Jene, die niemanden sehen, die*er aussieht wie sie, so grüsst wie sie, aufmerksam schaut wie sie, sich bewegt wie sie. Jene, die niemanden sehen, die*er Platz macht für sie.
Mut kommt wohl selten ganz von allein, er wächst für die meisten von uns aus einem Ort des Vertrauens. Wir wagen uns, wenn wir uns wohl fühlen. Dazu braucht es, dass wir uns in unserem Umfeld wiedererkennen. Wird das an einem Spot nicht durch die wohlwollende Geste einer fremden Person ermöglicht, hilft es, Vertraute mitzubringen: Freund*innen, deine Crew, ein*e Gefährt*in.
Eine Bucht, eine Piste, ein Skatespot verwandelt sich, wenn ich gemeinsam mit einer Vertrauensperson darauf blicke. Gemeinsam versetzen wir uns in einen Ort und erkennen uns dann darin wieder. Kommt die Unsicherheit trotzdem, erinnern wir einander, dass es den meisten so geht. Und dass wir nicht da sind, um uns zu messen. Wenn es nichts zu gewinnen gibt, gibt es auch nichts zu verlieren. Wir sind hier; draussen, der Jahreszeit ausgesetzt, um unsere Körper in Bewegung zu spüren. Vor meinem inneren Auge setze ich zum Turn an, gleitend, das Wetter an meiner Haut.
Am «Sables d’Or» guckte meine Freundin über ihre Schulter auf meinen hibbeligen Körper, dessen Füsse mittlerweile fest im Sand versenkt waren. Gehst du trotzdem?, fragte sie. Ich nickte.
(10.3.22)
es knirscht zwischen
meiner linken und rechten Herzwand
wie Gletschereis
bevor der erste Brocken bricht
Aus den Notizen
unfertig, 2023
Es wurde geboren von seiner Mutter, an einem Montag fünfeinhalb Monate nachdem die Welt hätte untergehen sollen. Die Welt hatte wieder Atem geholt, als doch nur einige Computer mit Zeit-Zählsystemen über 1999 ausgestattet werden mussten und eine plötzlich nicht mehr so laute Minderheit zögerlich aus ihren Luftschutzkellern kroch. Über sein Geburtsjahr würde später in den Annalen der MeteoSchweiz geschrieben: «Das Jahr 2000 war viel zu warm, insgesamt sei der Mai rund 3 Grad Celsius zu warm gewesen, die Obstbäume und Margeriten blühten je mit einem Vorsprung von zwei bis drei Wochen.»
Seine Mutter presste es kurz vor elf Uhr nachts in die Welt, in einen Saal des Zürcher Unispitals, und die viel zu laue Frühlingsluft war getränkt vor Erschöpfung. Es wurde mit einer Glocke aus ihr gezerrt – wie ein grosser Saugnapf, wurde ihm später erzählt, der, wie in der Erzählung immer angehängt wurde, nicht richtig hielt wegen seiner vielen Haare. Die Glocke verformte seinen Kopf wie ein Ei und seine Eltern kriegten Panik, als sie auf es schauten, und die zuständige Person im Raum musste ihnen versichern, dass sein Schädel noch weich sei, und dass er sich innert Kürze wieder zurückforme.
Es wurde geboren von seiner Mutter hinein in die Wiege zweier (sich) liebender Eltern, in die Hände seines Vaters, der gleich seinen Job kündigen würde und an die Brust seiner Mutter, für die es das erste Baby überhaupt war, das sie hielt.
Die Welt machte Versprechen und war etwas zu gross und der fehlende Schlaf klebte seinen Eltern an den Gliedern wie Öl. Es hatte Koliken und schreite viel. Seine Mutter war damals fünf Jahre älter als es es jetzt ist. Seine Grosseltern begannen es, ihr erstes Grosskind, freitags mit auf die Arbeit zu nehmen. Es machte Mittagsschlaf auf dem Bettsofa in der Kanzlei seiner Grossmutter und auf dem Bauch seines Grossvaters. Bei seinen Grosseltern spielte es Memory (bis sein erster Bruder besser wurde als es), sang Lieder und konnte es sich länger vom Haarebürsten drücken. Es wurde mitgenommen in den Zoo und später auf das Segelboot.
Das Kind wurde geboren von seiner Mutter; ein kleines, schweres Kind, behütet von genug Seiten. Die Luft zwischen seinen Eltern war schwer vor Erwartung und Vorhaben und Zukunft. Man blickte ihm mit weiten Augen ins Gesicht. In seinen Zuhausen wurde Berndeutsch und Zürideutsch und Finnisch mit ihm gesprochen und wenn etwas nicht für das Kind bestimmt war, wurde es auf Englisch gesagt, also verstand es bald auch das.
Sonntag. Das Kind sitzt zum Abendessen seinem Vater gegenüber. Reife kommt von Erschöpfung, schliesst es aus dem vorangehenden Gespräch. Es beuge sich über den Esstisch, der so alt ist wie sein kleinerer Bruder. Die Kinder wurden gross in den Armen dreier Generationen Eltern; alle entschlossen, sich selbst und ihren Kindern besser zu sein. Reife ist Kapitulation, legt es nach und schaut dabei auf seinen Vater.
Ich wurde geboren von meiner Mutter im halb angebrochenen Mai des Jahres 2000